Erwachsen sein und Bewusstseinswandel

Wir von TransParents erfahren täglich, wie das Begleiten von Kindern eine Einladung an uns selbst ist, reifer zu werden. Das Sein mit Kindern fordert uns auf, mehr Raum zu bekommen, mitfühlender mit uns selbst und den kleinen Wesen zu werden und das Herz weiter und weiter zu öffnen. Es ist ein spiritueller Weg, der zutiefst dem Leben zugeneigt ist und ihm dient.

 

Als reife Erwachsene möchten wir Mitgestalter des Lebens sein. In unserer Teilnahme an der Gestaltung der Welt erleben wir uns als geführt von einer Weisheit die unser begrenztes Selbst übersteigt. Wir glauben, dass Kinder mit ihren sogenannten „schwierigen“ Verhaltensweisen eine große Einladung sind, diesen Bewusstseinsschritt von mehr Reife zu vollziehen und uns als Gesellschaft ernsthaft darum zu kümmern, wie wir auf das Leben antworten möchten. Wir wollen uns hinwenden und unsere Herzen öffnen.

 

Dass es uns als Menschheit schwerfällt, eine bezogene Antwort auf die Herausforderungen des Lebens zu finden, ist Teil unserer Unverbundenheit welche wir als Symptom kollektiver Traumata begreifen. Wir verlieren uns in den aus Entwicklungstrauma entstandenen Adaptions- oder Anpassungsmechanismen, die dann zwischen uns und unseren Kindern stehen und solchen, die wir gegen uns selbst richten oder nach Außen auf andere Menschen. Wir erleben die Verstrickungen mit unseren Kindern und anderen Menschen. Wir fühlen uns abhängig davon, wie man auf uns antwortet. Und wenn unsere Umgebung sich nicht so verhält, wie wir es wollen, beginnen wir zu kämpfen und Krieg zu führen.

 

Agency ist ein Schlüssel für Heilung. Echte Heilung ist eine zutiefst mitfühlende Hinwendung, zu den Punkten in uns, an denen wir das Licht vergessen haben. Überall dort, wo wir heute als Erwachsene mit unseren Überlebensstrategien oder Adaptionsmechanismen identifiziert sind, fehlt es uns an Agency und somit an einem freien Handlungsraum, in dem wieder Wahl entsteht und somit reifes Erwachsenenbewusstsein. Agency heißt direkt übersetzt so viel wie Selbstwirksamkeit. Die tiefere Bedeutung davon ist: „Wie wir uns auf uns selbst beziehen“, also wie wir heute an unserem Selbstgefühl beteiligt sind. Agency  beschreibt den zunehmenden Prozess des Erkennens, wie wir heute beteiligt sind in einer Situation, in der wir uns als Opfer fühlen. Dadurch öffnet sich eine Tür, in der mehr Raum entsteht und wir nicht mehr komplett identifiziert sind. Wir werden handlungsfähiger, können mehr aus unseren automatischen Reaktionen aussteigen und bekommen ein Wahl. Kinder hingegen haben diese Wahl noch nicht. Sie können sich in einer Umgebung, die ungeeignet ist oder versagt nicht als richtig und gut empfinden.

 

Wenn wir mit den Adaptionsmechanismen, den Folgen früher Traumata, identifiziert sind, sehen wir das Leben durch den Filter der Vergangenheit, auch wenn wir glauben im Hier und Jetzt zu sein. In den Situationen sehen wir unser Gegenüber nicht, behandeln es dadurch als Objekt und verstricken uns in Projektionen. Als reife Erwachsene verfügen wir über Innenraum, in dem wir Andere in uns abbilden können. „Ich sehe dich und du siehst, dass ich dich sehe!“

 

Reifes Erwachsensein ist für uns alle eine große Herausforderung. Überall wo wir unsere innere Freude und Gelassenheit im Kontakt mit den Kindern verlieren, wird unsere eigene emotionale Unreife und unsere Unverbundenheit sichtbar. Zum Beispiel, wenn wir einem Kind eine Grenze setzen, die möglicherweise heftige Gefühle von Frustration auslöst. Wir fallen dann vielleicht zurück in starre Autorität und/oder wollen es dem Kind recht machen. Beides beschreibt Erziehungsstile aus dem Paradigma der Trennung. In beiden Fällen sehen wir das Kind nicht wirklich und behandeln es dadurch wie ein Objekt, auch wenn wir das gar nicht beabsichtigen.

 

Wir von TransParents gehen davon aus, dass sogenannte Erziehungsstile immer aufzeigen, dass zwischen uns und unseren Kindern etwas steht. Wir glauben, dass sich unsere Erziehungsstile aus unseren Adaptionsmechanismen speisen. Sie helfen uns, uns zu regulieren und zu stabilisieren, auch wenn wir das oft nicht bewusst mitbekommen. So gibt es beispielsweise den autoritären Erziehungsstil, wo wir unseren Stress und unsere Angst vor Verletzlichkeit auf das Kind ausagieren und dann den empathistischen Erziehungsstil, wo wir es dem Kind versuchen Recht zu machen, um uns selber sicher zu fühlen. Alle Erziehungsstile sind intelligente Adaptionsmechansimen aus unserer eigenen Kindheit, die uns im wahrsten Sinne des Wortes unermesslichen Schmerz haben überleben lassen, uns jedoch heute im Wege stehen, gelassen mit unseren Kindern in Beziehung zu sein.